Das Ende des Public-Viewing?

2006, im Jahre des Sommer-Märchens, waren sie der ganz große Renner der Republik. Deutschland war beseelt von der WM – WM-Fieber total. Keiner konnte sich dem entziehen. Es hatte so ziemlich jeden gepackt. Das Land war voller internationaler Gäste, die, im Gegensatz zu heute, freudig empfangen und wie Freunde behandelt wurden. Die Welt hat sich gewundert, wie gastfreundlich die Deutschen sein können. Unzählige freiwillige Helfer haben unseren Gästen in fast allen Lebenslagen geholfen. Man konnte spüren, wie glücklich der Fußball machen kann.

In so einer Stimmung, in so einem dauerhaften Freudentaumel, wollte keiner zu Hause alleine vor dem Fernseher hocken. Die Menschen wollten raus. Es war Sommer. Es war WM im eigenen Land. Die eigene Mannschaft spielte einen berauschenden Fußball und jeder wollte diese tolle Stimmung mit seinen Freunden teilen.

So wurden in fast allen deutschen Städten Großbild-Leinwände aufgestellt und vor diesen Leinwänden versammelten sich tausende, zehntausende und Berlin gar hunderttausende Menschen, um das große Fußballfest zu feiern.

Es war auch für die ausländischen Gäste eine wahnsinnig tolle Sache, denn die meisten hatten keine Eintrittskarten für die Spiele im Stadion. Somit waren sie auf solche Angebote angewiesen und sie haben es dankbar angenommen und gemeinsam mit den anderen Fans den Fußball gefeiert.

Im Laufe der Jahre wurde das Interesse am Public-Viewing, dem „Rudelgucken“, wie es umgangssprachlich genannt wurde, immer geringer. Im Jahre 2010 bei der Weltmeisterschaft in Südafrika wurde das Angebot noch gerne angenommen, jedoch bei der EM 2012 begann die Wende. Das Interesse ging zurück.

Bei der diesjährigen WM in Russland haben es sich viele Städte sogar gespart, einen Public-Viewing-Bereich zu errichten. Das Interesse der Bürger ginge zurück, hieß es als Begründung, und tatsächlich zeigen die Deutschen ein immer geringeres Verlangen solche Veranstaltungen zu besuchen.

Es bleibt abzuwarten, ob dies nur ein kurzer Einbruch oder ein dauerhafter Stimmungswandel ist, denn die Begeisterung dafür war einmal riesengroß.

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